Die meisten Menschen, die mir sagen, KI sei nichts für sie, haben es einmal kurz ausprobiert und einen schlechten Text bekommen. Das kenne ich. Ich hatte dieselbe Erfahrung – bis ich begriffen habe, dass das Problem nicht die KI war, sondern wie ich mit ihr gesprochen habe.
Ich arbeite täglich mit Claude. Ich baue damit Software – diese Website, ein Buchungssystem für das Rittergut Etzdorf, eine Fördermitteldatenbank namens FörderScout. Nicht weil Claude magisch wäre, sondern weil ich gelernt habe, wie man mit ihm kommuniziert. Dieser Artikel zeigt, was ich konkret anders mache.
Warum Claude – und nicht ein anderes Tool?
Ich werde oft gefragt, warum ich Claude nutze. Der wichtigste Grund: Claude verarbeitet langen Kontext besonders gut. Wenn ich an einem Projekt sitze, gebe ich Claude am Anfang den gesamten Rahmen – Ziel, Einschränkungen, was schon existiert. Claude behält das über viele Schritte im Blick.
Der zweite Grund: Claude widerspricht mir. Wenn ich eine schlechte Idee habe, sagt er das – nicht arrogant, aber klar. Das ist wertvoller als ein Tool, das einfach nickt und ausführt.
„Ich behandle Claude nicht als Werkzeug, das Befehle ausführt. Ich behandle ihn als Gesprächspartner, dem ich erkläre, was ich will – und warum."
Drei Muster, die ich täglich nutze
1. Kontext zuerst – immer
Bevor ich Claude irgendetwas bitte zu tun, erkläre ich den Rahmen. Bei Entwicklungsprojekten habe ich eine CLAUDE.md-Datei im Projektverzeichnis, die erklärt was das Projekt ist, welche Technologien genutzt werden und welche Entscheidungen bereits getroffen wurden. Claude liest das automatisch mit.
Bei kleineren Aufgaben reicht ein kurzer Absatz:
Das Ergebnis ist immer besser, wenn Claude weiß, für wen und warum er schreibt.
2. Schrittweise – nicht alles auf einmal
Ich bitte Claude nie, ein ganzes Dokument oder ein ganzes Feature auf einmal zu bauen. Ich breche es in kleine Schritte auf und überprüfe jeden Schritt, bevor ich weiter mache. So merke ich früh, wenn etwas in die falsche Richtung geht – und Claude macht weniger Fehler, wenn der Scope klar begrenzt ist.
Praxis-Tipp: Nie mit „Schreib mir eine komplette Website" anfangen. Mit „Schreib mir einen Einleitungsabsatz für die Startseite" anfangen – und von dort aus aufbauen.
3. Korrigieren statt neu anfangen
Wenn Claudes Antwort nicht passt, fange ich nicht neu an. Ich sage genau, was nicht stimmt und warum:
Das geht schneller als neu anfangen und führt meist in zwei Iterationen zum Ergebnis.
Was Claude nicht kann – und warum das wichtig ist
Claude macht Fehler. Er erfindet manchmal Fakten, wenn er keine hat. Er kennt meine Kunden nicht, meine lokalen Besonderheiten nicht, die unausgesprochenen Regeln meiner Branche nicht. Das alles muss ich ihm beibringen – durch Kontext.
Was ich ihm nicht beibringen kann: Urteilsvermögen über Dinge, die handwerkliches Fachwissen erfordern, oder die Einschätzung, ob eine Entscheidung rechtlich haltbar ist. Dafür gibt es Fachleute – und das bleibt so.
Fazit: Claude ist kein Alleskönner. Aber er ist ein außergewöhnlicher Gesprächspartner, wenn man weiß, wie man mit ihm spricht. Und das lernt man schneller als man denkt – nicht durch Tutorials, sondern durch Ausprobieren.
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