Die Rendite steigt – aber wer hält die Zügel?

Es gibt eine Zahl in der neuen SAP-Studie, die man sich merken sollte: Unternehmen erwarten für 2026 im Schnitt eine KI-Rendite von 24 Prozent – nach 17 Prozent im Vorjahr. Und im selben Report steht eine zweite Zahl direkt daneben: Nur 4 Prozent halten sich für den Einsatz von KI-Agenten für vollständig vorbereitet.

Diese beiden Zahlen erzählen die ganze Geschichte. Die Renditeerwartung an KI ist real und wächst. Die Fähigkeit, KI zu steuern – wer darf was, mit welchen Daten, mit welcher Kontrolle – wächst nicht mit. Genau in diese Lücke fallen im Moment die meisten Fehler und Risiken. Und anders als der Report vermuten lässt, ist das nicht nur ein Konzernproblem.

Zur Studie: Die genannten Zahlen stammen aus dem SAP Value of AI Report 2026 von SAP und Oxford Economics. Befragt wurden 2.600 Führungskräfte aus 13 Ländern, davon 200 Entscheider in Deutschland. Berichtet u. a. bei heise online.
24 % erwartete KI-Rendite 2026 (Vorjahr: 17 %)
4 % fühlen sich für KI-Agenten voll vorbereitet
71 % berichten von nicht freigegebener „Schatten-KI“

Was die Studie zur Rendite sagt

Auf der Ertragsseite ist die Stimmung eindeutig optimistisch. Deutsche Unternehmen planen für 2025 KI-Investitionen von durchschnittlich 35 Millionen Euro – deutlich über dem globalen Schnitt von 24 Millionen Euro. Der Treiber dahinter heißt agentische KI: KI-Systeme, die nicht nur antworten, sondern eigenständig Aufgaben abarbeiten. Der erwartete Ertrag aus dieser Technologie soll laut Report in zwei Jahren auf knapp 18 Millionen Euro steigen – nach 4 Millionen im Vorjahr. Neun von zehn Unternehmen sehen darin transformatives Potenzial.

Das ist die Schlagzeile, die man überall liest. Interessanter ist, was direkt darunter steht.

Die Kontroll-Lücke – und sie ist groß

Die Studie legt offen, wie schmal das Fundament unter diesen Renditeerwartungen ist. Ein paar Zahlen, die zusammen ein deutliches Bild ergeben:

„Drei von vier Unternehmen würden KI-Agenten schneller einführen, als sie sie kontrollieren können. Das ist keine Technologiefrage mehr – das ist eine Führungsfrage."

Man muss diese Zahlen nicht dramatisieren. Aber man sollte sie ernst nehmen: Wer KI einsetzt, ohne zu wissen, welche Tools im Haus benutzt werden, welche Daten hineinwandern und wer die Ergebnisse prüft, riskiert genau die Fehler, die am Ende die erhoffte Rendite auffressen – vom Datenschutzverstoß bis zum fehlerhaften, aber ungeprüft verwendeten KI-Output.

Warum das den Mittelstand genauso trifft – nur anders

Ein ehrlicher Hinweis vorweg: Diese Studie befragt Führungskräfte großer Unternehmen. Ein durchschnittlicher Handwerksbetrieb oder ein 30-Personen-Mittelständler investiert keine 35 Millionen Euro in KI. Man könnte also sagen: „Betrifft mich nicht."

Das wäre der falsche Schluss. Denn die Governance-Lücke trifft den Mittelstand sogar härter – aus einem einfachen Grund: Ein Konzern hat eine Rechtsabteilung, einen Datenschutzbeauftragten, eine IT-Sicherheit und im Zweifel eine eigene KI-Stabsstelle. Ein Mittelständler hat das alles nicht. Die Mitarbeitenden nutzen ChatGPT, Copilot & Co. längst – nur eben ohne Regeln, ohne Freigabe, ohne Prüfung. Die 71 Prozent Schatten-KI aus der Studie sind im Mittelstand real, sie fallen nur weniger auf.

Der Kern in einem Satz: Im Mittelstand ist die Kontroll-Lücke nicht kleiner als im Konzern – sie ist nur weniger sichtbar, weil niemand danach sucht.

Die gute Nachricht: Genau weil ein Mittelständler kein Konzern ist, braucht er auch keinen Konzern-Apparat, um die Lücke zu schließen. Es reicht ein schlankes Governance-Minimum – gut umsetzbar in wenigen Wochen.

5 Dinge, die der Mittelstand jetzt konkret tun kann

Keine Theorie, keine Compliance-Abteilung nötig. Das ist die realistische Reihenfolge, wie ich sie mit Betrieben in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus umsetze:

  1. Bestandsaufnahme: Welche KI wird bei uns wirklich genutzt? Auch – gerade – die inoffiziellen Tools. Man kann nur steuern, was man kennt. Das ist der Punkt, an dem die 71 Prozent Schatten-KI sichtbar werden.
  2. Verzeichnis freigegebener Tools plus klare Datenregeln. Eine Seite genügt: Welche Tools sind erlaubt, welche Daten dürfen hinein, was gehört niemals ins Eingabefenster. Das schließt genau die Lücke, die 33 Prozent bei den Zugriffskontrollen offenlassen.
  3. Team-Schulung, die zugleich Pflicht erfüllt. Eine praxisnahe Einführung hebt nicht nur die Qualität der Ergebnisse – sie erfüllt zugleich die KI-Schulungspflicht aus dem EU AI Act. Das adressiert die 77 Prozent, die an ihren Schulungen zweifeln.
  4. Schatten-KI eindämmen statt verbieten. Verbote treiben die Nutzung nur tiefer in den Schatten. Besser: gute, freigegebene Tools bereitstellen und klar kommunizieren. Wie das im Mittelstand aussieht, steht im Artikel Schatten-KI im Mittelstand.
  5. Governance als Routine, nicht als Einmal-Aktion. Tools und Regeln veralten. Ein regelmäßiger, kurzer Check hält den Betrieb auf Stand – das ist der Kern eines laufenden KI-Compliance-Retainers.

Faustregel: Governance im Mittelstand heißt nicht „mehr Bürokratie". Es heißt: einmal sauber festlegen, wer mit welchem Tool welche Daten bearbeiten darf – und das jährlich nachziehen. Mehr braucht es für den Anfang nicht.

Kontrolle nachrüsten – und dabei bis zu 80 % Förderung mitnehmen

Der wirtschaftlichste Hebel dabei wird oft übersehen: Beratungskosten sind förderfähig. Für die BAFA-Beratungsförderung für KMU werden in den neuen Bundesländern 80 %, sonst 50 % der Beratungskosten erstattet – Bemessungsgrundlage bis 3.500 € je Beratung, befristet bis 31.12.2026. Eine Beratung zu KI-Governance, Datenschutz und EU AI Act lässt sich also gefördert umsetzen. Wie der Antrag konkret läuft, steht Schritt für Schritt auf der Seite BAFA-Förderung für KI-Beratung.

Damit dreht sich die Rechnung um: Die Studie zeigt, dass die Kontroll-Lücke Geld kostet – die Förderung sorgt dafür, dass ihr Schließen kaum welches kostet.

In einem Satz: Die Rendite steigt für die, die KI nicht nur einführen, sondern auch beherrschen. Die Kontrolle ist kein Bremsklotz für die Rendite – sie ist die Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt eintritt.

Häufige Fragen

Was ist der SAP Value of AI Report 2026?

Eine Studie von SAP und Oxford Economics. Befragt wurden 2.600 Führungskräfte aus 13 Ländern, davon 200 Entscheider in Deutschland. Die Studie untersucht, welche Rendite Unternehmen von KI erwarten und wie gut sie auf den Einsatz vorbereitet sind – mit dem Ergebnis, dass die Renditeerwartungen steigen, die Kontrolle über KI aber deutlich hinterherhinkt.

Was ist KI-Governance und warum braucht sie auch der Mittelstand?

KI-Governance sind die Regeln und Prozesse, mit denen ein Unternehmen den KI-Einsatz steuert: Welche Tools sind freigegeben, welche Daten dürfen hinein, wer darf welche Anwendung nutzen, wer prüft die Ergebnisse. Im Mittelstand fehlt dafür meist eine eigene Stelle – trotzdem gelten dieselben Risiken aus Datenschutz, EU AI Act und fehlerhaften KI-Ergebnissen. Für einen KMU reicht ein schlankes Governance-Minimum statt eines Konzern-Apparats.

Was ist Schatten-KI und warum ist sie ein Risiko?

Schatten-KI meint die Nutzung nicht freigegebener KI-Anwendungen durch Mitarbeitende – ohne Wissen und Kontrolle der Geschäftsführung. Laut SAP-Studie berichten 71 Prozent der Unternehmen davon. Das Risiko: Geschäftsgeheimnisse und personenbezogene Daten landen in Tools ohne AV-Vertrag, Ergebnisse werden ungeprüft verwendet, es entstehen Datenschutz- und Haftungsprobleme. Der erste Schritt dagegen ist ein Verzeichnis freigegebener Tools und klare Nutzungsregeln.

Wird KI-Governance-Beratung gefördert?

Ja. Bundesweit ist die BAFA-Beratungsförderung für KMU relevant (in den neuen Bundesländern 80 %, sonst 50 % der Beratungskosten, Bemessungsgrundlage bis 3.500 € je Beratung, befristet bis 31.12.2026). Welche Förderung im Einzelfall passt, lässt sich in wenigen Minuten klären.

Wo fängt der Mittelstand bei der KI-Kontrolle an?

In dieser Reihenfolge: erst eine Bestandsaufnahme der tatsächlich genutzten Tools, dann ein kurzes Verzeichnis freigegebener Tools mit Datenregeln, dann eine Team-Schulung (die zugleich die KI-Schulungspflicht erfüllt), dann Zugriffs- und Freigaberegeln für sensible Anwendungen, und schließlich eine regelmäßige Kontrolle statt einer Einmal-Aktion. Das ist ohne eigene Compliance-Abteilung machbar.

Wo steht Ihr Betrieb bei der KI-Kontrolle?

Im kostenlosen KI-Mini-Audit schauen wir gemeinsam, welche KI bei Ihnen bereits genutzt wird, wo die größten Lücken sind – und welche Schritte sich (BAFA-gefördert) lohnen. Konkret, ohne Verkaufsdruck.

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Die versteckte Kostenfalle der KI Schatten-KI im Mittelstand