Notizen vom 20. August 2026, Rittergut Etzdorf

Leerer Saal im Rittergut Etzdorf vor Beginn des KI-Praxisabends – Stuhlreihen mit goldenen Schleifen, Beamer auf Stativ, Marcel Bäsler am Laptop.
Das alte Herrenhaus des Ritterguts Etzdorf – sonst Hochzeitssaal, an diesem Abend Vortragsraum.

Ein Praxisabend mit rund 35 Teilnehmenden im alten Herrenhaus des Ritterguts Etzdorf – ein Saal mit Stuckdecke und Kronleuchter, in dem sonst Hochzeiten stattfinden. Im Saal saßen Selbstständige, Menschen aus Betrieben, Verwaltung und Kommunalpolitik, Ehrenamtliche aus Vereinen – und etliche, die schlicht privat wissen wollten, was es mit KI auf sich hat.

Drei Dinge sind an dem Abend deutlich geworden, die über den einzelnen Termin hinaus relevant sind.

1. Die Zielgruppe für KI-Grundlagen ist breiter als angenommen

Unter den Teilnehmenden waren jüngere wie ältere Menschen, und beteiligt haben sich beide.

Das widerspricht einer verbreiteten Annahme: dass KI vor allem die Jüngeren interessiere und Ältere ohnehin abwinken. Wer seine Belegschaft, seinen Vereinsvorstand oder seine Bürgerschaft danach sortiert, schreibt einen Teil der Leute ab, der nicht abgeneigt ist, sondern bisher nur kein passendes Angebot hatte.

Konsequenz: nach Aufgabe und Vorwissen differenzieren, nicht nach Alter.

2. Die entscheidende Fähigkeit ist das Eingrenzen, nicht das Bedienen

In der Live-Session wurde eine Anwendung vor Publikum gebaut. Sichtbar wurde dabei weniger, wie schnell so etwas entsteht, als vielmehr, wie eng die Vorgaben sein müssen, damit ein Sprachmodell nicht anfängt, Lücken selbst zu füllen.

Das ist kein Fehlverhalten des Modells, sondern seine Funktionsweise: Es erzeugt plausible Fortsetzungen. Wo eine Vorgabe fehlt, kommt keine Rückfrage, sondern eine Erfindung.

Das gilt unabhängig davon, ob jemand ein Angebot kalkuliert, ein Sitzungsprotokoll schreibt, einen Förderantrag für den Verein aufsetzt oder privat einen Brief formuliert. Die relevante Kompetenz ist nicht die Bedienung der Oberfläche. Sie liegt darin, Aufgaben so zu formulieren, dass kein Interpretationsspielraum bleibt, und Ergebnisse anschließend gegen die Realität zu prüfen. Beides ist erlernbar, wird in generischen Einführungsschulungen aber selten vermittelt.

Passend zum Ort haben wir außerdem die Buchungsplattform des Ritterguts gezeigt: Hochzeiten und andere Veranstaltungen lassen sich dort verbindlich buchen, Besichtigungstermine ebenso, und ein Chatbot beantwortet die wiederkehrenden Fragen – auch dann, wenn im Haus längst Feierabend ist. Statt jede Anfrage einzeln per E-Mail zu beantworten, laufen Verfügbarkeiten, Rückfragen und Bestätigungen an einer Stelle zusammen. Der Gewinn liegt im Ablauf, nicht in der Technik.

Marcel Bäsler in der Live-Session am Laptop, im Hintergrund die projizierte Anwendung, die vor dem Publikum entsteht.
Die Anwendung entsteht live vor dem Publikum.

3. Was fertig aussieht, ist damit noch nicht geprüft

Für den Abend hatte ich einen QR-Code vorbereitet, über den Teilnehmende ihre Einwilligung für Newsletter und weitere Informationen erteilen konnten. Fertig gebaut, abgehakt. Im Workshop funktionierte er dann nicht und musste vor Ort repariert werden.

Das ist der Fehler, der beim KI-Einsatz praktisch am häufigsten vorkommt – nicht die spektakuläre Halluzination, sondern das ungetestete Zwischenergebnis, das durchgereicht wird, weil es überzeugend aussieht. Je überzeugender, desto eher fällt die Kontrolle weg.

Wer KI ernsthaft nutzt, braucht deshalb weniger ein Verbot als einen festen Prüfschritt: Wer kontrolliert was, bevor es rausgeht.

Für Organisationen kommt hinzu, dass die Kompetenzpflicht aus Artikel 4 EU AI Act keine Mindestgröße kennt – sie trifft Unternehmen, Behörden und Vereine gleichermaßen, sobald dort KI-Tools eingesetzt werden.

Blick in den Saal während des KI-Praxisabends im Rittergut Etzdorf: rund 35 Teilnehmende in Stuhlreihen, jung bis alt gemischt, Marcel Bäsler rechts am Vortragspult.
Rund 35 Teilnehmende, von jung bis alt.

Fazit

An diesem Abend war spürbar, dass der Bedarf an KI-Grundlagenvermittlung im ländlichen Raum größer ist, als das Angebot vermuten lässt – und dass er sich nicht auf Unternehmen beschränkt. Verwaltung, Vereine und Privatpersonen stehen vor denselben Fragen.

Es kamen mehr Fragen, als in die vorgesehenen Zeitfenster passten. Am Ende standen unaufgefordert Themenvorschläge für eine Folgeveranstaltung im Raum.

Dank an Theresa Hayessen und das Rittergut Etzdorf für den Rahmen.

Fortsetzung

🗓 Nächster Abend · 19. November 2026

Prompt Engineering Live im Rittergut Etzdorf

Systemprompts, Rollendefinitionen, Guardrails – und der direkte Vergleich von Claude, ChatGPT und Gemini an derselben Aufgabe. 18 bis 20 Uhr, 30 Euro inklusive Getränke, Canapés und Glühwein, 40 Plätze.

Zum Prompt-Engineering-Workshop am 19.11.

Zur Einordnung der eigenen Pflichtenlage: KI-Schulungspflicht nach Artikel 4 EU AI Act · kostenloses Mini-Audit


Marcel Bäsler ist IHK-zertifizierter KI-Manager, TÜV-geprüfter Datenschützer und Bitkom-zertifizierter KI-Compliance-Beauftragter. Er berät Mittelstand, Verwaltung und Vereine im Saalekreis und in Sachsen-Anhalt.

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